Pädagogisches Konzept und Ziele des Heimatvereins für Russischsprechende Kinder in Trier “MATRIOSCHKA“
Bedeutung des Vereinsnamens „MATRIOSCHKA“
„MATRIOSCHKA“ nennt man in Russland eine runde bunt bemalte Holzpuppe, die mehrere kleinere Puppen in sich beinhaltet. So beginnt man mit dem Öffnen der größten und öffnet daraufhin alle weiteren, bis man zur kleinsten gelangt. Die einzelnen Puppen stehen symbolisch für die Kinder aller Altersgruppen, von den größten bis hin zu den kleinsten unseres Vereins. In ihrem ursprünglichen Zustand, also wenn die geschlossene Puppe alle anderen in sich beinhaltet, symbolisiert sie die Einheit unserer Gemeinschaft.
Die Förderung der Kinder im Heimatverein „MATRIOSCHKA“ besteht aus folgenden Bereichen:
Erster Bereich – Pflege der Sprache:
Dieser Bereich besteht hauptsächlich aus dem Spiel mit der Sprache und um die Sprache. In diesem Bereich wird die Vielfalt der russischen Sprache spielerisch bewusst gemacht und das Interesse für die Sprache geweckt. Die Kinder lernen dabei die wichtigsten Gestalten aus der russischen Literatur wie Märchen und Gleichnisse, Gedichte und Kurzgeschichten kennen. Die beliebtesten Gestalten aus der Märchenwelt werden auf die Puppentheaterbühne übertragen. Zukünftig steht in der Planung, dass Kinder selbst Theater spielen (z.B.Weihnachtsspiele). Solche Lern- und Spielformen dienen der Pflege der russischen Sprache und wecken das Interesse an ihr. Weiter haben die Kinder eine Möglichkeit an dem muttersprachlichen Ergänzungsunterricht Russisch teilnehmen. Den Unterricht ist vom Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion der Region Trier für Schulkinder ab dem 1 Schuljahr angeboten und wird von Russischlehrerin Ellen Strassheim geleitet. Für den Verein ist die Zusammenarbeit mit Kindern, die an diesem Unterricht teilnehmen, deshalb so wichtig, weil allein die russische Sprache und Literatur zu lernen für ein zweisprachliches Kind nicht ausreicht. Nur um Verbindung mit Teilnahme an verschiedene kreative Beschäftigungen, wo das Kind die Sprache benutzen kann, wird es zum Lernen motiviert.
Zweiter Bereich – Tanzen:
Hier lernen Kinder in vier Altersgruppen sowohl russische und deutsche Folkloretänze als auch Tänze anderer Völker der Welt kennen, z.B. lateinamerikanische, israelische, europäische Standardtänze und moderne. Für die Konzerte sind russische Folklorekostüme und andere Kostüme vorhanden, die zum Teil von der Tanzleiterin, zum Teil von den Eltern genäht wurden. Das gemeinsame Einstudieren und Aufführen der Tänze fördert bei den Kindern Freundschaften, Erfolgserlebnisse und entwickelt ein Gemeinschaftsgefühl.
Dritter Bereich – Darstellende Kunst:
Hier werden die Grundlagen der darstellenden Kunst aller Arten bekannt gemacht (Stillleben, Porträt); Malerei, Zeichnung, Grafik. Verschiedenes Material wird dabei benutzt: Buntstifte, Wachsstifte, sowie Aquarellfarbe, Plakatfarbe, ect. Der Kursleiter führt unter anderem die Kinder in die Geschichte der darstellenden Kunst ein. Bei jeder Veranstaltung haben die Kinder die Möglichkeit unter der Anleitung des erfahrenen Künstlers ihren Phantasien freien Lauf zu lassen. Die besten Ergebnisse dieser Malstunden werden einmal im Jahr ausgestellt.
Vierter Bereich – Einführung ins Englische:
Der Lernprozess wird auf zwei Gruppen aufgeteilt, junge und ältere Teilnehmer. In der Gruppe der Jüngeren sollen die Kinder die Sprache anhand von Kärtchen mit aufgedruckten Motiven lernen. Es besteht die Möglichkeit auch Kärtchen selbst zu bemalen und der Begriff des Motivs wird vom Kursleiter mitgeteilt. Kinder sprechen nach, lernen den Wortschatz und die Redewendungen auswendig. In der Gruppe der Älteren haben die Kinder Englisch bereits in der Schule, deshalb wird hier vieles wiederholt und bei Problemen mit Hausaufgaben wird geholfen. Da die Wichtigkeit der englischen Sprache heutzutage an Bedeutung gewinnt, erhalten die jüngeren Kinder spielerisch eine Einführung und die Älteren eine Festigung in der Sprachausbildung.
Fünfter Bereich – gemeinsame Unternehmungen:
Seit dem Bestehen der nichtformellen „Russischen Schule“ (September 1998) ist eine Tradition entstanden, zweimal im Jahr, zur Weihnachtszeit und zum Schuljahrabschluss Feste zu feiern. Hier werden für Familienangehörige und Freunde neue Tanzprogramme aufgeführt, Gedichte vorgetragen und Lieder gesungen, Spielwettbewerbe durchgeführt, und die Gewinner werden geehrt. Am Weihnachtsfest kommt der russische Weihnachtsmann – Väterchen Frost, der schöne Geschenke bringt. Das Geld für die Geschenke wird von den Eltern bereitgestellt. Die Feste schaffen eine lustige und ungezwungene Atmosphäre. Die Eltern haben die Möglichkeit sich zu treffen und sich auszutauschen. Diese Tradition möchten wir weiter beibehalten.
Am 10.06.2001 fand in der Stadt Trier, auf dem Viehmarkt, ein Ausländerfest statt (siehe Bilder). Alle vier Gruppen hatten Gelegenheit ihre Tanzkunst zu präsentieren. Unsere Kinder hatten einen erfolgreichen Auftritt, unsere gemeinsame Freude darüber war unvergesslich. Im Juni 2002 hatten wir zum dritten Mal unser Folksprogramm auf dem Internationalen Fest präsentiert.
Im Sommer 2000 haben unsere Kinder eine Wohltätigkeitsveranstaltung für Behinderte im Schammatdorf gegeben. Im März 2002 hat unsere Tanzgruppe an dem Internationalen Fest in Dortmund teilgenommen.
Unsere Kursleiter:
Alle Kursleiter sind qualifizierte Fachkräfte, die bereits über eine lange Berufserfahrung in ihrem Metier verfügen. Sie sind sehr engagiert und üben ihre Tätigkeiten für sehr wenig Entgelt, man könnte sagen, fast ehrenamtlich aus.

Für den Bereich Tanzen ist Frau Svetlana Zelenzova, Tanzlehrerin aus St.Petersburg verantwortlich. Pflege der Sprache führt die Grundschullehrerin aus Russland Frau Erna Steiger. Darstellende Kunst vertritt der Künstler Herr Andrei Kalunin. Der Bereich Englisch wird von der Englischlehrerin Frau Natalia Mirvis geleitet.
Finanzen:
Zum heutigen Zeitpunkt finanziert sich der Verein aus den Beiträgen der Eltern und durch finanzielle Unterstützung des Vereins der Russischsprechenden in Deutschland (VERRUS D e.V.). Die Kostüme der Tanzgruppe wurden teilweise durch den Erlös des Russischen Pavillons während des Ausländerfestes 2001 finanziert.
Ziele:
  • Den Kindern eine sinnvolle und interessante Freizeitgestaltung zu bieten.
  • Wichtig erscheinen uns die Kinder von den negativen Einflüssen, Gedanken und schlechten Vorbildern abzulenken. Rauchen, Drogen- und Alkoholkonsum breiten sich schon bei den älteren Schulkindern aus. Anstatt “rumzuhängen“ und die Zeit „totzuschlagen“, was oft der Fall ist, sollen Kinder mehr gefördert und motiviert werden, mehr Impulse und Interessen für ihre geistige Entwicklung bekommen und die Kultur ihrer alten Heimat bzw. ihrer Vorfahren kennen lernen.
  • Diese Schritte zur Gründung von neuen Vereinen und Klubs und die Kontaktaufnahme mit schon bestehenden Kulturzentren, sind für Kinder sehr wichtig, da sie die soziale
  • Oft fühlen sich ausländische Kinder wegen ihrer Herkunft als Kinder zweiter Klasse. Genau das möchten wir gerne abschaffen. Ihr Selbstwertgefühl soll gestärkt und gepflegt werden. Sie sollen lernen, sich als gleichberechtigte Bürger unter Beibehaltung ihrer eigenen Kultur in Deutschland und Europa zu integrieren.
  • Leider kommen viele russische Kinder aus Familien mit schlechten sozialen Verhältnissen. Ihre Eltern haben viele Integrationsprobleme wie: geringe Sprachkenntnisse, mangelhafte Qualifikationen und deshalb schlechte Berufschancen, Kulturschock, Isolation, ect. Die Vorstandsmitglieder, sowie die Kursleiter leben schon seit langer Zeit in Deutschland. Sie kennen sich mit der deutschen Kultur, Lebensart und der Mentalität gut aus und sprechen gut Deutsch. Da sie selbst Eltern sind, haben sie bei Auftauchen der Probleme der Kinder immer Verständnis und ein offenes Ohr. Unser aller Anliegen ist es, den Kindern bessere Startbedingungen mit auf dem Weg zu geben, als ihre Eltern noch hatten.